„Wir sollten uns treffen und reden“Eine Einladung zum CeBIT future talk

    von
    Reinhard Karger, Unternehmenssprecher des DFKI und Präsident der DGI e.V.

    Die Innovationsfrequenz der IKT-Forschung ist hoch, die Durchdringung flächendeckend, die Perspektiven sind zahlreich. Und die Beschleunigung? Nimmt weiter zu. Wie kann man damit umgehen? Es geht um Information und Wissen. In welcher Welt werden wir leben? Lesen hilft, aber Dialog ist hilfreicher. Je weniger greifbar der Gegenstandsbereich, desto wichtiger die reale Begegnung. Die virtuelle Welt braucht Erdung!

    Deshalb der Vorschlag: Wir sollten uns treffen und reden, nicht nur lesen oder schreiben. Am besten an einem Ort, an dem sich viele für das gleiche Thema interessieren, an dem die kritische Masse an Exzellenz, Professionalität, Erfahrung, Expertise, an Kapital und Investitionsvolumen zusammenkommt. Für die digitale Welt ist dieser Ort Hannover und die CeBIT die Veranstaltung.

    Top-Themen und Trendsetter

    Der Claim der CeBIT ist „IT. 100%. Business“ und natürlich geht es bei einer Industriemesse um die Aussteller und deren Exponate, um spezifische Produkte und Lösungen, Angebote und Dienstleistungen. Aber ob CeBIT Global Conferences oder der future talk in der Innovationshalle, die Konferenzforen sind die Treffpunkte für den thematischen Diskurs über das aktuelle Tagesgeschäft hinaus.

    Im Fokus stehen nicht die Abschlüsse, sondern die Einsichten, die Fragen und Konzepte, die uns in dem kommenden Jahr beschäftigen werden. Gebündelt wird das durch das Top-Thema der CeBIT. Es begann 2008 mit GreenIT, darauf folgten Webciety 2009, Connected Worlds 2010, Work and Life with the Cloud 2011, Managing Trust 2012, Shareconomy 2013, Datability 2014, d!conomy 2015 – und wenn man die letzten Jahre und die digitalen Disruptionen Revue passieren lässt, muss man zugeben, dass die Veranstalter ein gutes Gespür für die richtigen Trends bewiesen haben.

    Was im Herbst des Jahres 2009 als CeBIT Top-Thema „Connected Worlds“ entwickelt worden ist, was dann 2010 prototypisch auf der CeBIT – und besonders in der Innovationshalle ‒ gezeigt wurde, ist 2015 in den Werbeblöcken des Vorabendfernsehens angekommen. Innerhalb von fünf Jahren hat sich „Connected Worlds“ vom CeBIT-Top-Thema zum Consumer Trend für Elektronikmärkte gemausert. Als im Sommer 2014 die Taxifahrer in den Metropolen weltweit gestreikt haben, weil sie sich von der mobilen Mitfahrvermittlungsplattform Uber bedroht fühlten, dann war die „Shareconomy“ – die Wirtschaft des Teilens – bereits 2013 das Top-Thema der CeBIT.

    Im Fokus: die digitale Wirtschaft

    Dieses Jahr also d!conomy. Das Thema wird auch den future talk auf der CeBIT dominieren. d!conomy meint den Megatrend Digitalisierung und seine Ausstrahlung, seine Konsequenzen und wirtschaftlichen Chancen für Unternehmen, Unternehmer und Arbeitnehmer, für Gründer und Investoren. Klingt nicht neu, hat aber inzwischen eine ganz andere Dynamik entfaltet als noch vor wenigen Jahren. Mittlerweile sind die meisten Firmen zu einem erstaunlichen Grad digitale Unternehmen. Betriebswirtschaftliche und innerbetriebliche Abläufe werden über Unternehmenssoftware organisiert, die Geschäftsmodelle digital entworfen und evaluiert, Kundenbeziehungen und Lieferketten digital gesteuert und verwaltet. Enterprise Resource Planing (ERP) und Manufacturing Execution System (MES) unterstützen bei Disposition und Produktion – nicht mehr nur in der Großindustrie. Die Leistungsfähigkeit und Bedienbarkeit der eingesetzten Software beeinflusst die wirtschaftlichen Erfolgschancen – wie das gewählte Betriebssystem die Verwendungsweisen eines Rechners beeinflusst.

    d!conomy meint auch das Internet der Dinge und Industrie 4.0. „Smart Factories“ ermöglichen die Produktion von kleinen Losgrößen in Echtzeit, bei hoher Variantenanzahl in maximaler Qualität, aber zu dennoch niedrigen Kosten. SmartF-IT, das Ankerexponat für d!conomy, befindet sich auf dem Stand des future talks – so kommen Vorstellung und Anschauung im Veranstaltungsforum der Innovationshalle zusammen. SmartF-IT etabliert als Basis der Smart Factory ein IT-gestütztes, integriertes und ausführbares Gesamtmodell mit der bedarfsgerechten Anpassung an die menschliche Arbeitskraft, unterstützt durch neue personalisierte industrielle, aber auch robotische Assistenzsysteme.

    Weitere Schwerpunktthemen im future talk werden sein Smart Data, Open Data, Visual Computing, Sprachtechnologie, Personal Server, Wearable Computing, Mass Data und Visual Business Analytics, Massives Sicherheitstesten und Cybercrime, die Digitale Transformation, Multimodale Interaktion, aber auch das Wissenschaftsjahr 2015 #Zukunftsstadt und Smart Cloud-Lösungen für Industrie 4.0.

    2015 wird zum Jahr des Internets der Dinge

    Das Internet der Dinge wird Industrie 4.0 ermöglichen, berufliche und erwerbswirtschaftliche Perspektiven verändern. Und den privaten Alltag. Das Internet der Dinge macht Werkstück und Werkstückträger zu vernetzten Objekten, Maschinen werden zu Agenten und die Fertigungsstraße intelligent. Das Jahr 2015 wird rückblickend als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem das erste Mal die sich abzeichnende Bedeutung des Internets der Dinge konkret wurde.

    Wie erschließt sich die private Nutzung? Eine Reihe aktueller Smartphones hat integrierte Nahbereichsfunk-Sensoren. Near Field Communication (NFC) leistet die kontaktlose Informationsübertragung zwischen Objekten, ermöglicht Transaktionen, macht Smartphone oder Smartwatch zum Portemonnaie und das Bargeld – perspektivisch ‒ zum Auslaufmodell. Das kontaktlose Bezahlen via SmartX-Gadget verändert das Einkaufen und den Handel, auch die Logistik, und über den Informationsfluss und die Informiertheit auch das Konsumverhalten der Kunden.

    Zukunftsprojekt Smart Service-Welt

    Ob Bezahlen oder Beruf, Bildung oder Banking, die einzelnen Nutzer agieren digital und die Interaktionen hinterlassen Datenpunkte. Noch viel mehr Daten werden von Sensoren geliefert. Big Data ist aber noch nicht Big Business. Erst die Auswertung eröffnet die Dienstewirtschaft. Smart Services kreieren neue Märkte durch neue Marktplätze. Im future talk wird die Smart Service-Welt vorgestellt, das neue Zukunftsprojekt der Bundesregierung. Es soll die Grundlagen, Standards liefern und helfen, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen zu identifizieren, erfolgreiche Geschäftsmodelle zu definieren und die richtigen Partner zu finden.

    Echtzeitanalytics für effiziente Individualisierung

    Die Hoffnungen auf wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn durch Datenanalytik, auf personalisierte Medizin oder auf wirtschaftliche Effizienzsteigerung durch Predictive Maintenance sind berechtigt. Die Echtzeitanalyse von Betriebsdaten erlaubt die vorausschauende Produktion, aber auch die Individualisierung von Produkten. Neue Verfahren zur proaktiven Anpassung von Wartungszyklen reduzieren Stillstand, verlängern Laufzeiten, verbessern Auslastung und erhalten Maschinengesundheit.

    Die Anzahl der nächsten erfolgreichen Global Champions wird gering sein. Sie könnten aus Europa kommen, könnten im future talk vorgestellt werden. Die kommenden Smart Service-Plattformen werden nicht mehr nur Musik, Filme oder Fotos handeln, sondern industrielle Services handelbar machen, Wertschöpfungsketten abbilden, Produktions- und Enterprise-Prozesse verschmelzen und innovative Geschäftsmodelle in Echtzeit ermöglichen.

    Aber Big Data darf nicht zu Big Brother werden und damit man besser über die Risiken reden kann – und wie man sie vermeidet ‒, wird im future talk an zwei Tagen Live-Hacking zum Thema und zum Bühnenprogramm.

    future talk CeBIT 2015
    Der future talk im Zentrum der CeBIT Innovationshalle ist das Forum für Ideen, Positionen und Prognosen, liefert Einblicke in den technologischen Status Quo, Perspektiven und Lösungsansätze, für die Chancen der digitalen Wirtschaft, die Zukunft der Arbeit und die Herausforderungen der digitalen Zukunft. Die Referentinnen und Referenten kommen aus Wissenschaft, Politik und Industrie, sind Professoren und Investoren, Minister und Gründer, Doktoranden, Chief Executives oder Information Officer.
    Im future talk werden Initiativen und Projekte vorgestellt, Preise vergeben, Wettbewerbe ausgetragen und Talente ausgezeichnet. Live-Präsentationen zeigen aktuelle Megatrends und Prototypen, Standards der Zukunft und Konzepte für die digitale Gesellschaft. 20 Minuten Talk und 10 Minuten Diskussion ‒ future talks an jedem Messetag zur halben und zur ganzen Stunde.
    http://www.cebit.de/veranstaltung/future-talk/FOR/60681

    reinhard.karger@dfki.de

    Reinhard Karger moderiert den CeBIT future talk. Er leitet seit 2000 die Unternehmenskommunikation des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, DFKI; seit 2011 ist er Unternehmenssprecher des DFKI. Reinhard Karger ist Mitglied des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) und seit Mai 2014 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen e.V. (DGI).