Über die optimale Steuerung von Materialfluss- und Logistik-Systemen

Die Entdeckung der Schnittstellen-Möglichkeiten

quelle-sysmat-rainer-schulz-gescha%cc%88ftsfu%cc%88hrerRainer Schulz, Geschäftsführer der sysmat GmbH

 

So gut wie jeder Bereich im produzierenden Betrieb steht unter der Direktive des Materialflusses: Wareneingang, Prüf-, Bearbeitungs- und Lagervorgänge und natürlich der Warenausgang. Materialflussobjekte sind dabei sehr unterschiedlich: Die Palette reicht von Warengütern, Ersatzteilen oder Baugruppen bis hin zu unterschiedlichen Ladeeinheiten, Förder- oder Transportmitteln. Die Vielfältigkeit der Materialflussobjekte bedeutet, dass jeder Betrieb für sich den Materialfluss mit speziell geeigneten Mitteln verfeinern kann. Verbesserungen an dieser Stelle lohnen sich für das gesamte Supply-Chain-Management, gleichzeitig sinken die materialwirtschaftlichen Kosten. Stellt man dann noch die Kombination von Materialflussrechner und Lagerverwaltungssystem in den Vordergrund, erreicht die Anlage ihre optimale Arbeitsweise.

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Palettenanlage – Wareneingang (Quelle: sysmat)

Ideale Lösungen für die Optimierung des Materialflusses sind vor allem herstellerunabhängig und flexibel – und sie unterstützen beispielsweise ERP-Systeme dabei, bisher bestehende Insellösungen aufzuheben und alle Anlagen miteinander zu verbinden. Dem Anwender ermöglicht diese Unabhängigkeit die Integration der künftigen Software in neue oder bereits bestehende Lager- und Produktionsbereiche. Über diese Flexibilität hinaus muss die Software so programmiert sein, dass sie sich sowohl für die Modernisierung als auch für die Erweiterung von automatisierten Hochregallagern und Behälterlagern eignet.

Eine Modernisierung des Materialflusses mithilfe einer, diesen Ansprüchen gerecht werdenden Software ermöglicht demnach die zentrale Steuerung von verschiedenen Anlagekomponenten. Das macht den Materialfluss effizienter und transparenter. Gleichzeitig können Unternehmen auf diese Weise auch Projekte aus dem Bereich Industrie 4.0 wie beispielsweise eine Smart Factory realisieren.

Optimales Zusammenspiel verschiedener Lösungen

Ausschlaggebend für das Perfektionieren von Materialflüssen automatisierter Anlagen ist zunächst das Einbinden dieser Anlagen in ein ERP-System. Bei der Entwicklung der Software ist darüber hinaus eine hohe Anlagenverfügbarkeit und eine einfache grafische Darstellung des Materialflussrechners von großem Wert. Denn vor allem die Optik sorgt sowohl bei der Bedienung als auch beim Erlernen der Software für eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern.

Für die Berechnung der Anlagenverfügbarkeit sorgen verschiedene Schnittstellen. Zwar nutzen die meisten Unternehmen SAP, dennoch sind an dieser Stelle auch Lösungen für andere Umgebungen erforderlich. So stellt beispielsweise die sysmat-Software über 20 Schnittstellen für verschiedene Hersteller von automatisierten Anlagen zur Verfügung, darunter Daifuku, Dambach und Köttgen. Die bereits vorhandene Software, also beispielsweise SAP, wird dabei weiterhin mit sämtlichen Standardfunktionen verwendet. Durch diesen Einsatz von vorhandenen Modulen und Funktionen gibt es kaum Aufwand, wenn ein Release-Wechsel ansteht.

Eindeutige Definition von Aufgaben

Vor jeder Modernisierung mit dem grafischen Materialflussrechner wird dazu geraten, eine klare Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Programmen zu definieren, der Anwender muss sich vorab im Klaren sein, wie er sich die Optimierung seiner Anlage vorstellt. Dabei ähnelt sich eine sinnvolle Aufgabenverteilung bei den meisten Projekten: SAP oder eine andere bereits vorhandene Software steuert die Stamm- und Auftragsdaten, die Rechnungserstellung, die Bestände je Liefereinheit, die Reservierung und den Bestand für Aufträge und Transporteinstellung. Lediglich das Lagerlayout, die Wege im Lager und die Lagerstrategie werden über den externen Materialflussrechner koordiniert. Dieser ist demnach nur verantwortlich für die offenen Transporte, für die Visualisierung des Materialflusses und die Störungsbehandlung.

Durch diese klare Einteilung wird erreicht, dass beispielsweise die Schnittstelle von SAP zum Materialflussrechner sehr einfach zu konstruieren ist. So sind die Stammdaten für den Materialflussrechner nicht relevant, er muss nicht mit ihnen kommunizieren. Für den Anwender verbleibt dadurch die Verwaltung dieser Daten ausschließlich in einem Programm.

Effizienter Austausch von Daten

Der große Vorzug dieser eindeutigen Aufgabenverteilung ist es, dass die Kommunikation zwischen Materialflussrechner und vorhandener Software reduziert werden kann: Der Materialflussrechner benötigt keine Informationen über Materialstamm, Lagereinheiten, Stücklisten, Produktionsversorgung oder über Lieferanten und Kunden. Denn es werden nur diejenigen Informationen durch die Schnittstelle kommuniziert, die für einen optimierten Materialfluss gebraucht werden. Nicht benötigte Funktionen werden weiterhin von SAP verwaltet, die beiden Systeme „verschmelzen“ zu einer Einheit.

Auch Lagereinheiten bleiben in der Verantwortung von SAP. Um diese aber deutlich zu machen, bekommt jede Lagereinheit eine Nummer. Die verfügbaren Standardfunktionen der Lagereinheiten-Verwaltung bleiben bestehen. Die Software kann dabei Lagereinheiten mit mehr als nur einem Material bilden, lagert komplette Lagereinheiten intern um, zeigt den Inhalt von Lagereinheiten an, druckt Belegscheine und plant die Warenausgänge. Alles, was nur indirekt mit dem Materialfluss zu tun hat, wird von SAP übernommen, es muss daher kein Bestandsabgleich zwischen den jeweiligen Softwareprodukten vorgenommen werden. Der Materialflussrechner zeigt nicht an, wie der Bestand aussieht, sondern wie die Produktion beziehungsweise Lagerung vorangeht. Gleiches gilt für die Inventur. Auch hier ist wieder SAP verantwortlich.

Vorhandene Systeme einbinden

Nach der Modernisierung funktionieren die Anlagen grundsätzlich stabiler, auch kommt es zu weniger Störfällen. Dies gilt auch, wenn nur Teilbereiche der Anlage optimiert wurden und sogar bereits während der Projektphase. Möglich wird dies durch die nahtlose Integration der neuen Software in das vorhandene System. Das neue Programm fügt sich dabei flüssig in die bereits bestehende Umgebung ein, denn Materialflussrechner und vorhandene Software verknüpfen sich mithilfe der Schnittstellen, vorhandene Programme müssen nicht anpasst werden.

Zudem muss die alte Software nicht mehr mit jedem Release ausgetauscht werden, da die Funktionen, die der Standard nicht oder nicht mehr abdeckt, durch die neue Lösung übernommen werden. Mit diesem Schritt wird das bestehende ERP-System entlastet. Gleiches gilt für bereits bestehende Schnittstellen: Auch diese werden integriert.

Résumé

Um den Materialfluss eines Unternehmens zu optimieren, bindet die vorgestellte Lösung eines grafischen Materialrechners die vorhandenen ERP-Programme über Schnittstellen ein, so dass beide Systeme Hand in Hand arbeiten. Dies spart Zeit und Geld bei Besprechungs- und Implementierungs- sowie Realisierungsaufwand. Auch mit einem Produktionsausfall ist nicht zu rechnen: Die Software verfügt über eine Anlagenemulation, die die Funktionsweise der Anlage mit dem neuen Programm testet, sodass die Anlage erst „live“ geht, wenn sie in der Emulation reibungslos funktioniert.

Damit die Vorzüge des Materialrechners ausgespielt werden können, muss der Anwender jedoch vorab festlegen, wie er sich die Optimierung seiner Anlage vorstellt. Zur eindeutigen Definition dieser Aufgabenverteilung stehen Unternehmen aber Spezialisten zur Anlagenautomatisierung beratend zur Seite.

www.sysmat.de

Als einer der marktführenden Anbieter entwickelt die 1994 gegründete sysmat GmbH aus Mainhausen grafische Materialflussrechner für automatisierte Anlagen, Automatiklager und Produktionslinien. Eine Kernkompetenz des Unternehmens ist das Ablösen von veralteter Materialflussrechner-Software in bestehenden automatischen Logistikzentren sowie die Anbindung an ERP-Systeme wie SAP.

Beitragsbild: Palettenlager / Bildquelle: sysmat