Wearables – Limits & Potenziale von smarten Assistenzsystemen

 

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Anne Prokopp, Content Specialist bei iTiZZiMO

Wenn der Kollege vor der unübersichtlichen SAP-Maske verzweifelt und mal wieder wichtige Notizen, in der Eile auf winzige Zettel gekritzelt, verschwunden sind … spätestens dann ist es Zeit, sich über smarte Assistenzsysteme Gedanken zu machen. Aus dem Automobilbereich sind solche Systeme schon lange bekannt: Spurhalteassistent oder Einparkhilfe unterstützen den Fahrer auf smarte Weise.

Was meint smart in diesem Fall? Gemeinsam haben beide Beispiele, dass die technologische Unterstützung sich diskret im Hintergrund hält und nur im Falle einer Notwendigkeit einspringt. Ein Spurassistent, der permanent meldet, dass man sich noch in der Spur befindet, überfordert den Fahrer genauso, wie einen ERP-Nutzer die Komplexität seines Systems, das in einer Maske alle möglicherweise irgendwann einmal benötigten Informationen bereitstellt. Inzwischen hält der Komfort, den wir aus dem Privatleben kaum noch wegdenken können, auch Einzug in unser Arbeitsleben.

Wozu smarte Assistenzsysteme?

Durch die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung von Industrie 4.0 wächst der Druck auf Unternehmen, die internen Prozesse zu optimieren und durchgängig digital abzubilden. Denn noch immer entfällt in deutschen Unternehmen zu viel Zeit auf manuelle Datenpflege, gern auch mehrere Male in verschiedenen Systemen. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Prozessgeschwindigkeit und die Akzeptanz von Fehlern sinkt – denn Fehler kosten Zeit und Geld und können in den meisten Fällen mit einfachen Mitteln vermieden werden.

Besonders bei mobilen Prozessen eignet sich der Einsatz von Wearables, wie Smartglasses oder Smartwatches, doch auch die konventionelleren mobilen Endgeräte, also Tablets und Smartphones, können zur Prozessoptimierung beitragen. Bedenkt man den Stellenwert, den Smartphones im privaten Umfeld haben, tut sich für Unternehmen bei der Nutzung von Wearables eine enorme Chance auf: Wird es durch Wearables möglich, mobil mit Unternehmensdaten zu interagieren, werden Prozesse erheblich beschleunigt und das Fehlerrisiko minimiert.

Smartwatch oder Smartglass?

Genau das ist hier nicht die Frage. Denn ob Wearables am Handgelenk oder auf der Nase getragen werden, macht nicht nur für den Nutzer, sondern auch für den Prozess und die nötige Anwendung einen riesigen Unterschied. So ist es durchaus möglich, dass in einem Unternehmen beide Gerätetypen im Einsatz sind – ob für verschiedene oder gleiche Aufgaben, denn manchmal ist die Entscheidung einfach von persönlichen Vorlieben der Entscheider abhängig. Das funktioniert natürlich nur, wenn es sich um einen Prozess handelt, der mit beiden Geräten, oder Devices, gestaltet werden kann. Denn obwohl beide Gerätetypen die mobile Interaktion mit Unternehmensdaten und freihändiges Arbeiten möglich machen, gibt es Stärken und Schwächen.

Für Servicemitarbeiter im Außendienst bietet sich eine Smartwatch an, um den Eingang neuer Aufträge anzuzeigen. Die konventionell abgerufene Mail ist da einfach zu langsam. Weitere Stärke der Uhr: Der Akku hält lange, natürlich immer abhängig von der Nutzung. Aber ein durchschnittlicher Arbeitstag „on the road“ ist kein Problem. Nimmt der Servicemitarbeiter den Auftrag über die Uhr an und befindet sich dann beim Kunden, macht der Gerätewechsel hin zur binokularen Smartglass Sinn. So können einerseits hilfreiche Informationen, z.B. Schaltpläne, direkt im Sichtfeld angezeigt werden und andererseits ermöglicht die Kameraaufzeichnung eine komplette Dokumentation, die dann zur vollständigen Nachvollziehbarkeit zusammen mit dem Ticket gespeichert wird. Im persönlichen Gespräch mit anderen Personen ist eine binokulare Datenbrille nicht zu gebrauchen, sie schirmt den Nutzer zu sehr von seinem Gegenüber ab. Erfordert der Prozess eine Smartglass, sollte auf ein monokulares Modell zurückgegriffen werden.

Zum Glück bietet die Vielzahl an verfügbaren Devices für jeden Prozess das passende Gerät: Brillen mit Prozessoren von einem bis zu vier Kernen, monokulares oder binokulares Display und durch standardisierbare Akkupacks erweiterbare Laufleistung. Aber auch Uhren, die eigenständig agieren oder die Funktionen vom Tablet ans Handgelenk verlagern – vieles ist möglich. Und wie beim Beispiel Servicetechniker bietet sich in den meisten Fällen ein Multi-Device-Ansatz an. Doch technische Machbarkeit bedeutet nicht, dass Lösungen tatsächlich umgesetzt werden.

Wearables – eine Herausforderung?

Wichtigster Punkt sind die Mitarbeiter, also die Nutzer der Geräte. Sind diese nicht begeistert, können Wearables nicht erfolgreich im Unternehmen platziert werden. Besonders bei Datenbrillen ist die Skepsis noch immer groß. Dass Google sich bei der ersten Version der Brille gezwungen sah, Richtlinien für die ersten Benutzer von Google Glass, die “Explorer”, herauszugeben, wie der Umgang mit der neuen Technologie zu gestalten ist, um nicht als so genanntes “Glasshole” zu gelten, spricht für sich. Bald soll das zweite Modell kommen und noch immer besteht in der Öffentlichkeit Unsicherheit. Wird gerade ein Foto von mir gemacht? Oder checkt der Typ mit der seltsamen Brille gerade mittels Gesichtserkennung mein Facebook-Profil?

Die möglichen Funktionen von Datenbrillen sind der breiten Öffentlichkeit noch ziemlich unbekannt. Und für diejenigen, die Smartglasses im Privatleben unbedingt nutzen wollen, fehlen noch immer „Killerapplikationen“, die der Hardware zum wirklichen Durchbruch verhelfen können. Im Berufsumfeld sieht das allerdings ganz anders aus. Beispielsweise im Lager: Da ist die Smartglass ein Werkzeug, wie ein Handscanner und dient dazu, nötige Informationen immer im Sichtfeld zu haben.

Ist dieser Nutzen erst einmal erkannt, werden Wearables als Arbeitsmittel akzeptiert, auch weil die Nutzung auf einen geschützten Rahmen begrenzt ist. Bei Smartwatches ist der Sachverhalt ein anderer. Immerhin vier von zehn Deutschen können sich laut Bitkom vorstellen, eine intelligente Uhr zu nutzen. Ein Grund dafür wird auch die weniger prominente Platzierung am Handgelenk sein. Darüber hinaus lassen sich Anwendungen für Privatkonsumenten schneller umsetzen und verbreiten. Fazit: Brillen verunsichern mehr als Uhren.

Doch nicht nur die Mitarbeiter können den Unternehmenseinsatz von Wearables entscheidend beeinflussen. Hardware-Restriktionen sind ein weiteres Thema. Sollen Endgeräte mit für Unternehmen noch neuartigen Betriebssystemen wie Android an Altsysteme angebunden werden, die mitunter schon jahrzehntelang im Einsatz sind, ist eine Kommunikation ohne zwischengeschaltete Datenstrukturierung unmöglich. Darüber hinaus muss bei der Entwicklung von Anwendungen für Wearables die extrem reduzierte und neuartige Bildschirmgröße berücksichtigt werden. Eine Uhr verfügt über ein Touch-Eingabe, eine Brille muss mit speziellen Knöpfen oder Sprache gesteuert werden. Diese Unterschiede in den Bedienkonzepten muss durch die Softwareseite kompensiert werden, um nicht jede Anwendung für jedes Gerät neu umsetzen zu müssen. Intelligente Lösungen können das bereits leisten.

Flexible Software ist die Lösung

Smarte Assistenzsysteme bestehen aus der Orchestrierung von Hard- und Software. Und genau hier, in der Software, liegt das Geheimnis für den erfolgreichen Einsatz von Wearables im Unternehmen. Die Software sorgt dafür, dass der bidirektionale Datenstrom zwischen Endgerät und Backend nicht abreißt und sicher verschlüsselt ist. Die Integration erfolgt dabei über standardisierte Konfigurationen wie SOAP oder XML mit den jeweiligen Authentifizierungsmethoden. Die Software bietet die nötigen Schnittstellen, um die smarten Devices nahtlos in die existierende IT-Landschaft einzubinden. Und im besten Fall sorgt die Software dafür, dass Anwendungen zukünftig geräte- und betriebssystemunabhängig umgesetzt werden können.

Möglich wird das durch Plattformen, die zwei Funktionen erfüllen. Zunächst wird die Anwendung in einer zur Plattform gehörigen Entwicklungsumgebung umgesetzt und für die Endgeräte bereitgestellt. Bei Verwendung der Applikationen fungiert die Plattform dann als Trennung zwischen den datenhaltenden Backend-Systemen und den prozessbasierten Anwendungen. Durch diese Trennung von Speichermedien und Prozessabbildung entstehen nutzerbasierte Anwendungen, die sich in ihrer User Experience mit der von Consumer Apps vergleichen lässt.

ERP-Maske vs. Smartwatch und Datenbrille (Quelle iTiZZiMO)

Somit ist Schluss mit unübersichtlichen Programmmasken, die eine Fülle an für den Prozess irrelevanten Informationen bereithalten. Über Login-Daten, Rechtevergabe und Menüauswahlen erkennt das Gerät den Prozess und übermittelt diese Information an die Plattform. Auf Basis dieses Inputs werden die benötigten Daten durch definierte Logiken identifiziert, aus den angebundenen Systemen aggregiert und für das jeweilige Endgerät strukturiert ausgegeben.

Also hat jeder Prozess genau eine Bedienoberfläche. Der Nutzer agiert mit dem Endgerät innerhalb des Prozesses, ohne sich Gedanken um die verbundenen Speichersysteme machen zu müssen. Ist die Arbeit getan, sorgt die Software dafür, dass die veränderten Daten wieder in die Backend-Systeme zurück gespeichert werden. Für die Entwicklung ist die schnelle Implementierung von Anwendungen und Anpassbarkeit der Anwendungen mit neuen Features von besonderer Relevanz.

Plattformen – nichts ist unmöglich

Flexibilität ist das Stichwort. Unternehmenssoftware und Apps müssen flexibler werden und schneller umgesetzt und angepasst werden können. Hier findet ein Prozess des Umdenkens statt. IT-Abteilungen und externe Entwicklungsdienstleister sehen sich nach Möglichkeiten um, diese Flexibilität zu erreichen. Mit einer Plattformstrategie hält die nötige Agilität Einzug.

Alle gewünschten Prozesse müssen End-to-End in Anwendungen abgebildet und für mobile Endgeräte oder stationäre PCs bereitgestellt werden. Die Plattform als Trennebene zwischen neuartigen Wearables und Altsystemen hilft bei der schnellen Umsetzung und Implementierung von Lösungen. Von Auftragskalkulation, über Predictive Maintenance, Remote Service, Schulungsmaßnahmen, bis hin zum vernetzten Warehouse der Zukunft: Immer wenn Menschen mit mehr als einem System (verschiedene Backend-Systeme, Excel, E-Mail etc.) agieren müssen, bieten sich Plattformlösungen zur optimalen Gestaltung von Workflows an – mit oder ohne Wearables. Unternehmenssoftware muss nicht mehr komplex und unverständlich sein, um ernst genommen zu werden.

Fazit

Smarte Assistenzsysteme werden vermehrt unser Arbeiten bestimmen. Digitalisierung und Automatisierung von Routinetätigkeiten sorgen darüber hinaus für Effizienz. Wearables können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Doch bei allem Hype und Innovationsdrang müssen sie letztlich als Werkzeug angesehen werden. Sicherlich ist das Potential da, dass die kleinen Computer den stationären Rechnern den Rang ablaufen. Aber: Noch immer gibt es Arbeitnehmer, die ihren Job ohne PC und Internet hervorragend ausüben können. Ein strenger Blick auf den abzubildenden Prozess und externer Rat helfen bei der Beurteilung. So finden Sie heraus, ob Wearables das richtige Werkzeug für Sie sind.

www.itizzimo.com

Anne Prokopp, Content Specialist bei iTiZZiMO aus Würzburg. iTiZZiMO beschäftigt sich seit der Gründung 2012 mit Wegen, den Umgang mit IT komfortabler zu gestalten. Mit der Smart Business Plattform Simplifier hat iTiZZiMO den Grundstein gelegt für den effizienten Einsatz von smarten Assistenzsystemen: Intelligente Produkte, effiziente Geschäftsprozesse und schlanke IT-Systeme. Schnelle Entwicklung und Implementierung von Lösungen macht die Arbeit mit dem Simplifier so lukrativ.